Autogenes Training

Die Ruheformel: Die Basis für erfolgreiches Autogenes Training

Lerne die Ruheformel 'Ich bin ganz ruhig' kennen – die fundamentale Basis aller Autogenen Training Übungen. Verstehe die Autosuggestion und wende sie richtig an.

Johanna Rachor
Johanna RachorZertifizierte Trainerin für Autogenes Training
12 Min.
6. Februar 2026

Die Ruheformel: Die Basis für erfolgreiches Autogenes Training

Du möchtest mit Autogenem Training beginnen, aber weißt nicht genau, wo du anfangen sollst? Welche Worte sagst du dir innerlich? Was ist die richtige Reihenfolge? Diese Unsicherheit ist völlig normal – und genau hier kommt die Ruheformel ins Spiel.

Die Ruheformel ist die fundamentale Basis des Autogenen Trainings. Sie ist der rote Faden, der alle sechs Grundübungen miteinander verbindet. Ohne die Ruheformel wäre Autogenes Training wie ein Orchester ohne Dirigent – die einzelnen Instrumente würden spielen, aber es würde keine Harmonie entstehen.

In diesem Artikel erfährst du alles über die Ruheformel "Ich bin ganz ruhig": warum sie funktioniert, wie du sie richtig anwendest, und welche Variationen es gibt. Du lernst die wissenschaftlichen Grundlagen der Autosuggestion kennen und erhältst praktische Anleitungen für deine tägliche Übungspraxis.

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Was ist die Ruheformel?

Die Ruheformel ist die zentrale Formel des Autogenen Trainings und lautet in ihrer klassischen Form: "Ich bin ganz ruhig". Sie steht am Anfang jeder Übung, taucht zwischen den einzelnen Organübungen immer wieder auf und bildet das übergeordnete Ziel der gesamten Methode.

Denk an die Ruheformel wie an die Überschrift über einem Zeitungsartikel. Sie gibt das Thema vor, setzt den Rahmen und signalisiert deinem Körper und deiner Seele: "Jetzt beginnt die Entspannung." Die Grundstufe des Autogenen Trainings besteht aus sechs aufeinander aufbauenden Übungen – Schwere, Wärme, Atem, Herz, Bauch und Kopf. Die Ruheformel verknüpft diese Übungen miteinander, wie die Puffer die Wagen eines Eisenbahnzuges verbinden.

Die klassische Formulierung nach Schultz

Johannes Heinrich Schultz, der Begründer des Autogenen Trainings, entwickelte die Ruheformel bereits in den 1920er Jahren. In seinen ursprünglichen Anweisungen stand die Formel "Ich bin ganz ruhig" am Anfang jeder Übung. Der Übende konzentriert sich zunächst auf diesen Satz und gibt damit seinem Nervensystem das Startsignal für die Entspannung.

In der klassischen Schultz'schen Methode wird die Ruheformel wie folgt eingesetzt:

  • Zu Beginn der Übung: "Ich bin ganz ruhig" (1-mal konzentrieren)
  • Nach jeder Organübung: "Ich bin ganz ruhig" (1-mal wiederholen)
  • Bei Bedarf zwischendurch: zur Vertiefung der Entspannung

Interessanterweise änderte Schultz später die Position der Ruheformel und setzte sie ans Ende der Einzelübungen. Viele Übende bedauerten diese Umstellung jedoch. Auch der Psychotherapeut Dietrich Langen wies kritisch darauf hin, dass der unmittelbare Beginn mit der Schwereübung dem wichtigen "Gesetz der Monotonie" nicht optimal Rechnung trägt. Heute wird die Ruheformel in den meisten modernen Anleitungen wieder konsequent an den Anfang gestellt – so wie Schultz es ursprünglich vorgesehen hatte.

Die Ruheformel als Fundament aller Übungen

Die Ruheformel erfüllt mehrere wichtige Funktionen im Autogenen Training:

1. Signalwirkung: Sie fungiert wie ein Startschuss für dein Nervensystem. Mit der Zeit entwickelt sich durch regelmäßiges Training ein Konditionierungseffekt: Sobald du dir "Ich bin ganz ruhig" sagst, weiß dein Körper bereits, dass jetzt Entspannung folgt.

2. Zielrichtung: Die Formel gibt das übergeordnete Ziel der gesamten Übung vor. Während die Schwereübung die Muskelentspannung anstrebt und die Wärmeübung die Gefäßerweiterung, ist das große Ziel immer: innere Ruhe.

3. Verbindungselement: Sie hält die verschiedenen Organübungen zusammen und sorgt für einen harmonischen Übungsfluss. Nach der Schwereübung kehrt man zur Ruhe zurück, bevor man zur Wärmeübung übergeht.

4. Rückführung: Zwischendurch angewendet, hilft die Ruheformel, wieder zum Kern zurückzukehren, wenn die Gedanken abschweifen.

Die Ruheformel als Motto

Die Ruheformel steht wie ein Motto über dem gesamten Training. Sie ist die Überschrift, die allen einzelnen Übungen ihre Richtung gibt. Ruhe und Entspannung sind das Ziel – die Organübungen sind die Wege dorthin.

Warum "Ich bin ganz ruhig" funktioniert

Die Wirkung der Ruheformel basiert auf dem psychologischen Prinzip der Autosuggestion. Aber wie kann ein einfacher Satz tatsächlich körperliche Veränderungen bewirken? Die Antwort liegt in der Art und Weise, wie unser Nervensystem auf mentale Anweisungen reagiert.

Das Prinzip der Autosuggestion

Autosuggestion bedeutet wörtlich "Selbstbeeinflussung" (griechisch: auto = selbst). Beim Autogenen Training gibst du dir selbst Anweisungen – du bist sozusagen dein eigener Therapeut. Das ist einer der großen Vorzüge dieser Methode: Du führst sie unabhängig von anderen Menschen durch.

Das Autogene Training leitet sich ursprünglich von der Hypnose ab. Die Effekte der Hypnose beruhen auf Suggestionen, die der Therapeut seinem Klienten gibt – sogenannte Fremdsuggestionen. Beim Autogenen Training hingegen werden diese Instruktionen von dir selbst gegeben. Es handelt sich um Eigen- oder Autosuggestionen.

Der Begründer Johannes Heinrich Schultz bezeichnete das Autogene Training als "eine praktikable, jedermann verständliche Methode der Autosuggestion". Der Begriff des "Konzentrativen" ist bei Schultz identisch mit der methodisch angewandten Autosuggestion. Du konzentrierst dich also konzentriert auf die Suggestion "Ich bin ganz ruhig" – und genau diese konzentrative Haltung macht den Unterschied zu oberflächlichem positivem Denken.

Wissenschaftliche Grundlagen der Selbstbeeinflussung

Was wissenschaftlich betrachtet bei der Autosuggestion passiert, ist faszinierend: Dein Gehirn unterscheidet nicht immer klar zwischen tatsächlichen Ereignissen und lebhaft vorgestellten Situationen. Wenn du dir konzentriert und wiederholt sagst "Ich bin ganz ruhig", beginnt dein autonomes Nervensystem tatsächlich, Entspannungsprozesse einzuleiten.

Der psychophysiologische Wirkmechanismus:

  1. Mentale Anweisung: Du gibst dir die Anweisung "Ich bin ganz ruhig"
  2. Nervensystem reagiert: Dein Parasympathikus (Ruhe-Nerv) wird aktiviert
  3. Körperliche Veränderungen: Herzschlag verlangsamt sich, Muskeltonus sinkt, Atmung wird ruhiger
  4. Rückkopplung: Du spürst diese Veränderungen, was die Suggestion verstärkt

Diese Wechselwirkung zwischen Psyche und Körper wird als psychophysische Korrelation bezeichnet. Beide Aspekte sind nur verschiedene Seiten ein- und desselben Vorganges. Verändert sich dein mentaler Zustand durch die Suggestion, verändert sich gleichzeitig dein körperlicher Zustand – und umgekehrt.

Wichtig zu verstehen: Die Suggestion "Ich bin ganz ruhig" funktioniert nicht durch aktives Erzwingen. Du versuchst nicht krampfhaft, ruhig zu werden. Stattdessen stellst du die Ruhe wie eine Tatsache fest – als ob sie bereits da wäre. Diese Form der "passiven Konzentration" ist entscheidend für den Erfolg.

Abstrakte Darstellung der Autosuggestion mit fließenden Formen in Tealfarben
Abb. 1: Autosuggestion wirkt wie eine sanfte Welle, die Ruhe durch deinen Körper fließen lässt

Der Unterschied zu positivem Denken

Viele verwechseln Autosuggestion mit positivem Denken – aber es gibt wichtige Unterschiede:

Positives Denken: "Ich will ruhig werden" oder "Ich muss jetzt entspannen"

  • Aktiver Willensprozess
  • Kann Anspannung erzeugen ("Ich versuche zu entspannen")
  • Oft mit Bewertung verbunden ("Warum bin ich noch nicht ruhig?")

Autosuggestion (AT): "Ich bin ganz ruhig"

  • Passive Konzentration
  • Beobachtende, nicht erzwingende Haltung
  • Suggestion wird wie eine Tatsache formuliert

Die Ruheformel wird nicht als Wunsch, sondern als gegenwärtige Realität formuliert. Du sagst nicht "Ich werde ruhig" oder "Ich möchte ruhig sein", sondern "Ich bin ganz ruhig" – als ob es bereits so wäre. Diese sprachliche Feinheit macht einen enormen Unterschied in der Wirkung.

Wissenschaftlich bestätigt

Studien zeigen, dass Autosuggestion messbare physiologische Veränderungen bewirkt: Der Herzschlag wird regelmäßiger, die Hauttemperatur steigt (Zeichen der Entspannung), und Stresshormone wie Cortisol werden reduziert. Die Ruheformel ist also keine Einbildung, sondern ein wissenschaftlich fundiertes Werkzeug zur Selbstregulation.

Die Ruheformel Schritt für Schritt anwenden

Die Ruheformel klingt simpel – und das ist sie auch. Aber wie bei allen Techniken liegt die Kunst in der richtigen Ausführung. Hier erfährst du genau, wie du die Ruheformel korrekt anwendest, um maximale Entspannungswirkung zu erzielen.

Die richtige innere Haltung

Die innere Haltung beim Sprechen der Ruheformel ist entscheidend. Es geht nicht darum, dir die Worte mechanisch vorzusagen, sondern eine bestimmte Qualität der Aufmerksamkeit zu kultivieren.

Passive Konzentration: Dies ist der Schlüsselbegriff im Autogenen Training. Du konzentrierst dich auf die Formel, aber nicht angestrengt oder verkrampft. Stell dir vor, du würdest einen Schmetterling beobachten – interessiert, aber ohne ihn festhalten zu wollen. Genau so beobachtest du die Ruhe, ohne sie zu erzwingen.

Praktische Anleitung für die innere Haltung:

  1. Nimm eine bequeme Position ein – sitzend oder liegend
  2. Schließe die Augen oder richte den Blick entspannt nach unten
  3. Atme ein paar Mal ruhig durch – ohne die Atmung zu verändern
  4. Lass deine Aufmerksamkeit nach innen sinken – weg von äußeren Reizen
  5. Sage dir innerlich: "Ich bin ganz ruhig"

Die richtige Tonalität: Sage dir die Formel in einem ruhigen, monotonen inneren Tonfall. Nicht fragend ("Bin ich ruhig?"), nicht auffordernd ("Ich muss ruhig sein!"), sondern feststellend und neutral. Wie ein Radiomoderator, der das Wetter ansagt: sachlich, aber freundlich.

Timing und Wiederholungen

Wie oft sollst du die Ruheformel wiederholen? Die Experten geben hier unterschiedliche Empfehlungen, aber alle folgen demselben Grundprinzip:

Zu Beginn der Übung:

  • Sage dir die Ruheformel 1-mal beim Start
  • Das signalisiert: "Die Übung beginnt jetzt"
  • Keine hektische Wiederholung nötig

Zwischen den Organübungen: Nach jeder einzelnen Übung (Schwere, Wärme, etc.) kehrst du zur Ruheformel zurück:

  • 1-mal "Ich bin ganz ruhig"
  • Dies verbindet die Übungen und bringt dich zur Basis zurück

Bei Bedarf zwischendurch: Wenn deine Gedanken abschweifen oder du merkst, dass Unruhe aufkommt:

  • Kehre zur Ruheformel zurück
  • So oft wie nötig, aber ohne Druck

Fortgeschrittene Variante: Mit zunehmender Übung kannst du die Ruheformel verkürzen zu einem einzigen Wort: "Ruhe". Manche Übende verbinden dies mit dem Atemrhythmus: Beim Einatmen "Ru", beim Ausatmen "he".

Beispiel für eine komplette Übungssequenz:

Beginn: "Ich bin ganz ruhig" (1-mal)
Schwereübung: "Der rechte Arm ist schwer" (3-mal)
Zurück zur Ruhe: "Ich bin ganz ruhig" (1-mal)
Wärmeübung: "Der rechte Arm ist warm" (3-mal)
Zurück zur Ruhe: "Ich bin ganz ruhig" (1-mal)
... und so weiter

Häufige Fehler vermeiden

Selbst bei einer so einfachen Formel wie "Ich bin ganz ruhig" können Fehler passieren. Hier sind die häufigsten Fallen und wie du sie vermeidest:

Fehler 1: Zu viel Anstrengung

  • ❌ Du versuchst krampfhaft, ruhig zu werden
  • ❌ Du ärgerst dich, wenn die Ruhe nicht sofort eintritt
  • ✅ Richtig: Erwarte nichts, beobachte nur. Die Ruhe kommt von selbst.

Fehler 2: Falsche Formulierung

  • ❌ "Ich will ruhig werden" (Wunsch, nicht Suggestion)
  • ❌ "Ich sollte ruhig sein" (Bewertung, erzeugt Druck)
  • ❌ "Bin ich schon ruhig?" (Fragend, zweifelt an der Wirkung)
  • ✅ Richtig: "Ich bin ganz ruhig" (Feststellung, gegenwärtig)

Fehler 3: Zu schnelle oder hektische Wiederholung

  • ❌ Die Formel wie ein Mantra herunterspulen
  • ❌ Ungeduldig mehrmals hintereinander wiederholen
  • ✅ Richtig: Einmal ruhig und bewusst. Dann wirken lassen.

Fehler 4: Die Ruheformel weglassen

  • ❌ Direkt mit der Schwereübung beginnen
  • ❌ Zwischen den Übungen nicht zur Ruhe zurückkehren
  • ✅ Richtig: Die Ruheformel ist das Fundament – nie auslassen!

Fehler 5: Bei Unruhe aufgeben

  • ❌ "Es funktioniert nicht, ich bin nicht ruhig"
  • ❌ Die Übung abbrechen, wenn Gedanken kommen
  • ✅ Richtig: Unruhe ist normal am Anfang. Geduldig bei der Formel bleiben.

Der wichtigste Tipp: Wenn du merkst, dass du unruhig wirst, weil die Ruhe "nicht kommt" – dann ist genau das der Moment, die Ruheformel zu wiederholen. Nicht als Aufforderung ("Jetzt werd endlich ruhig!"), sondern als sanfte Erinnerung an das Ziel.

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Die Ruheformel ist keine Magie – sie ist ein Werkzeug, das durch regelmäßige Anwendung immer wirkungsvoller wird. In den ersten Wochen mag es sich vielleicht noch ungewohnt anfühlen, sich selbst zu sagen "Ich bin ganz ruhig", während der Kopf voller Gedanken ist. Aber mit der Zeit entsteht durch die Wiederholung ein konditionierter Reflex: Dein Nervensystem lernt, auf diese Formel mit Entspannung zu reagieren.

Variationen der Ruheformel

Die klassische Formel "Ich bin ganz ruhig" ist die bewährteste und am weitesten verbreitete Version. Aber Autogenes Training ist keine starre Technik – es gibt Raum für individuelle Anpassungen. Wenn dir die Standardformel nicht zusagt oder du bereits fortgeschritten bist, kannst du mit Variationen experimentieren.

Alternative Formulierungen

Johannes Heinrich Schultz und seine Nachfolger haben verschiedene alternative Formulierungen vorgeschlagen, die alle dasselbe Ziel verfolgen: die Induktion innerer Ruhe.

Offizielle Varianten nach Schultz:

  1. "Ruhe kommt ganz von selbst"
    • Besonders geeignet für Menschen, denen "Ich bin ganz ruhig" zu direkt ist
    • Betont den passiven Charakter – die Ruhe kommt, du musst sie nicht machen
    • Hilfreich, wenn dein aktueller Gemütszustand überhaupt nicht ruhig ist
  2. "Die Ruhe wird immer tiefer"
    • Für fortgeschrittene Übende
    • Suggeriert einen Prozess, keine fixe Momentaufnahme
    • Gut geeignet für längere Übungssequenzen
  3. "Ich bin in Ruhe"
    • Etwas abstrakter als die Standardformel
    • Betont das "Sein in der Ruhe" statt das "Ruhigsein"
    • Kann als weniger fordernd empfunden werden
  4. "Ruhe umgibt mich wie ein weiter Mantel"
    • Poetische Variante mit bildhafter Qualität
    • Verbindet die Suggestion mit einer konkreten Vorstellung
    • Besonders wirksam für Menschen, die gut visualisieren können
  5. "Ruhe"
    • Reduzierte Form für Fortgeschrittene
    • Kurz und prägnant
    • Kann gut mit dem Atemrhythmus verbunden werden

Welche Variante ist die richtige für dich?

Das hängt von deiner Persönlichkeit und deinem aktuellen Zustand ab:

  • Wenn du sehr angespannt bist: "Ruhe kommt ganz von selbst" (nimmt den Druck raus)
  • Wenn du visuell denkst: "Ruhe umgibt mich wie ein weiter Mantel" (gibt ein Bild)
  • Wenn du es schlicht magst: "Ich bin ganz ruhig" (klassisch und bewährt)
  • Wenn du fortgeschritten bist: "Ruhe" (minimalistisch und kraftvoll)

Wichtig: Nicht zu oft wechseln

Wähle eine Formulierung und bleibe einige Wochen dabei. Dein Nervensystem braucht Konstanz, um den konditionierten Entspannungsreflex aufzubauen. Zu häufiges Wechseln schwächt die Wirkung.

Persönliche Anpassungen

Neben den offiziellen Varianten kannst du die Ruheformel auch persönlich anpassen – allerdings mit Vorsicht. Nicht jede Veränderung ist sinnvoll.

Erlaubte Anpassungen:

  1. Betonung verschieben:
    • "Ich bin GANZ ruhig" (betont die Vollständigkeit)
    • "Ich BIN ganz ruhig" (betont das Sein im Moment)
    • "ICH bin ganz ruhig" (betont die Eigenverantwortung)
  2. Rhythmus an den Atem anpassen:
    • Einatmen: "Ich bin"
    • Ausatmen: "ganz ruhig"
    • Oder: Einatmen "Ru", Ausatmen "he"
  3. Ergänzungen für spezifische Situationen:
    • Bei Ängsten: "Ich bin ganz ruhig und sicher"
    • Bei Schlafproblemen: "Ich bin ganz ruhig und entspannt"
    • Bei Stress: "Ich bin ganz ruhig und gelassen"

Was du vermeiden solltest:

  • ❌ Verneinungen: "Ich bin nicht mehr unruhig" (das Unterbewusstsein ignoriert das "nicht")
  • ❌ Zukunftsformen: "Ich werde ruhig werden" (nicht im Hier und Jetzt)
  • ❌ Fragen: "Bin ich ruhig?" (erzeugt Zweifel)
  • ❌ Komplexe Sätze: "Ich bin ruhig, entspannt, gelassen und voller Frieden" (zu lang, zu viel)

Ergänzung durch andere Formeln:

Die Ruheformel kann auch mit anderen bewährten Formeln kombiniert werden, besonders für spezifische Anwendungen:

  • Für Konzentration: "Ich bin ganz ruhig. Kopf frei und klar." (siehe auch Stirnkühlungsübung)
  • Für Selbstvertrauen: "Ich bin ganz ruhig. Ich vertraue mir."
  • Für Gelassenheit: "Ich bin ganz ruhig. Gelassenheit breitet sich aus."

Diese Kombinationen sind besonders in der fortgeschrittenen Praxis des Autogenen Trainings relevant, wenn du mit vorsatzorientierten Formeln arbeitest.

Frau in entspannter Meditationshaltung vor tealfarbenem Hintergrund
Abb. 2: Die richtige innere Haltung macht die Ruheformel wirksam

Ein Wort zur Authentizität:

Manche Menschen haben Schwierigkeiten mit der Formel "Ich bin ganz ruhig", weil sie sich innerlich unehrlich fühlen – "Aber ich BIN doch gar nicht ruhig!" Das ist ein verständlicher Einwand, basiert aber auf einem Missverständnis der Autosuggestion.

Du behauptest nicht, dass du in diesem Moment bereits vollkommen ruhig bist. Du gibst deinem Nervensystem eine Richtung vor. Es ist wie bei einem Navi: Du gibst das Ziel ein, auch wenn du noch nicht dort bist. Die Formel ist die Wegbeschreibung für dein autonomes Nervensystem.

Wenn dir die direkte Form dennoch zu fremd ist, wähle die sanftere Variante: "Ruhe kommt ganz von selbst". Diese Version nimmt den Druck und erlaubt dir, den Prozess zu beobachten, ohne dich sofort als "ruhig" definieren zu müssen.

Wann und wie du die Ruheformel einsetzt

Die Ruheformel ist vielseitig einsetzbar – sowohl als fester Bestandteil der strukturierten Autogenen Training Übungen als auch als eigenständige Kurzübung im Alltag. Hier erfährst du, wann und wie du sie optimal nutzt.

Vor jeder Autogenes Training Übung

Die klassische Anwendung der Ruheformel ist der Beginn jeder Übungssequenz des Autogenen Trainings. Sie fungiert wie ein Türöffner in den Entspannungszustand.

Standard-Übungsablauf mit Ruheformel:

  1. Vorbereitung:
    • Bequeme Position einnehmen (Lehnstuhl, Kutscherhaltung oder Rückenlage)
    • Augen schließen
    • Einige bewusste Atemzüge nehmen
  2. Ruheformel als Einstieg:
    • "Ich bin ganz ruhig" (1-mal)
    • Kurze Pause, wirken lassen (5-10 Sekunden)
  3. Erste Organübung (Schwere):
    • "Der rechte Arm ist schwer" (3-5 mal)
    • Die Schwereempfindung beobachten
  4. Zurück zur Ruheformel:
    • "Ich bin ganz ruhig" (1-mal)
    • Übergangsmoment nutzen
  5. Zweite Organübung (Wärme):
    • "Der rechte Arm ist warm" (3-5 mal)
    • Die Wärmeempfindung beobachten
  6. Zurück zur Ruheformel:
    • "Ich bin ganz ruhig" (1-mal)

... und so weiter durch alle Übungen.

Die Ruheformel als verbindendes Element:

Stell dir vor, die einzelnen Organübungen wären Inseln in einem Meer. Die Ruheformel ist das Wasser, das alle Inseln verbindet. Sie sorgt dafür, dass die Übung nicht zu einem hektischen Abarbeiten einzelner Formeln wird, sondern ein harmonisches Fließen bleibt.

Wichtig: Nach der letzten Übung (Stirnkühle) und vor der Rücknahme kannst du noch einmal zur Ruheformel zurückkehren. Dann erfolgt die aktivierende Rücknahme: "Arme fest! Tief atmen! Augen auf!"

Als eigenständige Kurzübung

Die Ruheformel kann auch außerhalb der strukturierten Übungssequenz genutzt werden – als schnelle Entspannungshilfe im Alltag. Diese Anwendung ist besonders wertvoll, wenn du wenig Zeit hast oder dich in einer stressigen Situation befindest.

Kurzübung für zwischendurch (2-3 Minuten):

  1. Kurz innehalten (auch im Sitzen am Schreibtisch möglich)
  2. Augen schließen oder entspannt nach unten blicken
  3. Tief durchatmen (3-4 Atemzüge)
  4. "Ich bin ganz ruhig" innerlich sagen (3-5 mal)
  5. Jeden Atemzug mit der Formel verbinden
  6. Die entstehende Ruhe für einen Moment genießen
  7. Augen öffnen und weitermachen

Wann ist die Kurzübung besonders wirksam?

  • Vor wichtigen Terminen: 3 Minuten Ruheformel vor einem Bewerbungsgespräch oder einer Prüfung
  • In Wartesituationen: Beim Arzt, an der Bushaltestelle, vor einem Meeting
  • Bei akutem Stress: Wenn du merkst, dass die Anspannung steigt
  • Zur Unterbrechung von Grübelschleifen: Wenn die Gedanken kreisen
  • Vor dem Einschlafen: Als Einschlafritual (dann ohne Rücknahme)

Fortgeschrittene Kurzanwendung:

Mit zunehmender Übung entwickelst du einen "konditionierten Entspannungsreflex". Das bedeutet: Sobald du dir "Ich bin ganz ruhig" sagst, reagiert dein Körper automatisch mit Entspannung – auch ohne die volle Übungssequenz. Dann reicht manchmal sogar eine einzige Wiederholung der Formel, um spürbar ruhiger zu werden.

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Integration in den Alltag

Die wahre Meisterschaft im Autogenen Training zeigt sich darin, wie gut du die Technik in deinen Alltag integrierst. Die Ruheformel ist dafür perfekt geeignet, weil sie so einfach und unauffällig ist.

Strategische Anker-Momente im Tagesablauf:

Verknüpfe die Ruheformel mit bestimmten wiederkehrenden Situationen. So wird sie zur automatischen Gewohnheit.

  1. Morgenritual:
    • Direkt nach dem Aufwachen noch im Bett: 5x "Ich bin ganz ruhig"
    • Setzt einen ruhigen Ton für den Tag
  2. Vor Mahlzeiten:
    • 30 Sekunden Ruheformel vor dem Essen
    • Fördert achtsames Essen und bessere Verdauung
  3. Bei Übergängen:
    • Zwischen Arbeit und Privatleben (z.B. im Auto vor dem Heimkommen)
    • Hilft beim mentalen Wechsel zwischen Lebensbereichen
  4. Beim Warten:
    • Rote Ampel, Warteschlange, Ladebildschirm
    • Nutze diese "toten Zeiten" für Mini-Entspannungen
  5. Abendritual:
    • Vor dem Einschlafen im Bett: 10x "Ich bin ganz ruhig"
    • Fördert schnelleres Einschlafen (Rücknahme weglassen!)

Unsichtbare Alltagsanwendung:

Das Schöne an der Ruheformel ist, dass niemand mitbekommt, wenn du sie nutzt. Du kannst sie anwenden:

  • In öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Während einer langweiligen Besprechung (innerlich, während du nach außen aufmerksam wirkst)
  • Im Wartezimmer beim Arzt
  • Vor einer Präsentation
  • Während eines Konflikts (hilft, ruhig zu bleiben)

Hinweis für Einsteiger: Beginne nicht mit zu vielen Alltagsankern auf einmal. Wähle 1-2 Situationen pro Woche, in denen du die Ruheformel bewusst einbaust. Mit der Zeit wird es zur Gewohnheit, und du kannst weitere Momente hinzufügen.

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Die regelmäßige Anwendung der Ruheformel – sowohl in strukturierten Übungssequenzen als auch als flexible Alltagshilfe – ist der Schlüssel zu langfristiger innerer Ruhe. Mit der Zeit wirst du feststellen, dass du insgesamt ruhiger und gelassener durchs Leben gehst, weil die Suggestion "Ich bin ganz ruhig" zu einer inneren Haltung geworden ist.

Häufig gestellte Fragen

Fazit: Die Ruheformel als dein ständiger Begleiter

Die Ruheformel "Ich bin ganz ruhig" ist weit mehr als nur ein Satz – sie ist der Schlüssel zur Selbstregulation deines Nervensystems. Als fundamentale Basis des Autogenen Trainings verbindet sie alle Übungen zu einem harmonischen Ganzen und gibt deinem Körper das Signal: "Jetzt ist Zeit für Entspannung."

Durch das Prinzip der Autosuggestion – der gezielten Selbstbeeinflussung – kannst du mit dieser einfachen Formel messbare physiologische Veränderungen bewirken. Dein Herzschlag wird ruhiger, deine Muskulatur entspannt sich, und Stresshormone werden reduziert. Die Wissenschaft bestätigt, was Johannes Heinrich Schultz bereits vor 100 Jahren erkannte: Unser Nervensystem reagiert auf mentale Anweisungen.

Die richtige Anwendung der Ruheformel basiert auf passiver Konzentration – du beobachtest die Ruhe, ohne sie zu erzwingen. Du sagst dir die Formel in einem ruhigen, neutralen inneren Tonfall, als ob du eine Tatsache feststellst. Mit der Zeit entwickelt sich durch regelmäßige Übung ein konditionierter Entspannungsreflex: Dein Körper lernt, automatisch mit Entspannung zu reagieren.

Ob als Teil der strukturierten Übungssequenz oder als schnelle Alltagshilfe – die Ruheformel ist dein ständiger Begleiter auf dem Weg zu mehr innerer Ruhe und Gelassenheit. Nimm dir jeden Tag ein paar Minuten Zeit für diese fundamentale Übung. Die Investition lohnt sich: Nach einigen Wochen wirst du feststellen, dass du insgesamt ruhiger, zentrierter und stressresistenter geworden bist.

Beginne noch heute mit der Ruheformel. Schließe für einen Moment die Augen, atme tief durch und sage dir: "Ich bin ganz ruhig." Spüre, wie mit diesen Worten die Entspannung ihren Anfang nimmt.

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